Professioneller Usability-Test unserer Infografik
Es hat sich lange nichts mehr getan auf unserem Blog. Das liegt vor Allem daran, dass das “Interaktive Infografik-Projekt” abgeschlossen ist, und es eigentlich nichts mehr zu berichten gibt. Einen Nachtrag haben wir da aber noch und er wird das Ganze vermutlich auch abschließen.
Im Wintersemester 2009/2010 wurde von Informationsdesign Studenten und Studentinnen im damaligen 3. Semester, eine umfangreiche Usability-Studie durchgeführt. Dabei wurden interaktive Infografiken auf ihre Benutzbarkeit sowie ihre Gebrauchstauglichkeit getestet. Auch unsere Grafik wurde ausführlich unter die Lupe genommen.
Die Studie fand im Usability Labor der HdM Stuttgart statt und es wurde untersucht, wie die Nutzer die Infografik zum Virtuellen Wasser wahrnehmen, wie sie damit interagieren und an welche Inhalte sie sich später noch erinnern. Hauptziel war es heraus zu finden wo, und warum bei der Nutzung Probleme auftreten. Dabei kamen mehrere Datenerhebungsverfahren wie z.B. Lautes Denken und der AttrakDiff-Fragebogen zum Einsatz. Insgesamt nahmen 4 Personen, zwischen 18 und 46 Jahren, an dem Test für unsere Grafik teil.
Die Ergebnisse der Untersuchung sind für uns als Gestalter natürlich besonders spannend. Hier eine kurze Aufzählung der schwersten Usability-Probleme:
- Teilnehmer haben Probleme bei der Bedienung der Haupt- und Inhaltsnavigation (Pfeile) in der Prozessebene (also bei der Kaffeeherstellung)
- Die Drag n’ Drop Interaktion wird nicht erkannt
- Hinweise auf Interaktion (wie z.B. Pfeil für Drag n’ Drop) werden übersehen oder nicht verstanden
- Mehrmaliges Klicken auf einen Button wird nicht verstanden
- Der Begriff „Virtuelles Wasser“ und der Kontext der Grafik werden nicht verstanden
- Nutzer können wichtige von unwichtigen Elementen nicht unterscheiden und werden abgelenkt
Über die klassische Usability-Untersuchung hinaus wurde ein Fragebogen verwendet, um die Attraktivität der Grafik zu messen. Hier Schnitt unsere Infografik mit einem Gesamturteil von 6,1 von 7 möglichen Punkten sehr gut ab und erreichte in der Portfolio-Darstellung das Prädikat „begehrt“. Dennoch zeigte sich auch hier, dass es bei der Bedienung Probleme gibt und, dass diese sich auf die Attraktivität der Grafik auswirken.
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Die Evaluatoren unserer Grafik haben folgendes Fazit gezogen:
„Insgesamt wurde die Infografik „Virtuelles Wasser“ zwar positiv wahrgenommen, in der Interaktion mit der Infografik traten jedoch teils schwere Probleme auf. Diese sollten behoben werden, um neben optischer Qualität auch eine intuitive Bedienung zu ermöglichen. „
Im Großen und Ganzen haben wir also eine durchaus positive Bewertung bekommen, auch wenn die Problem-Liste lang ist. Allerdings ist es eben auch der Zweck solcher Usability-Tests, (umfangreiche) Problemlisten zu erstellen.
Nichtsdestotrotz ist unsere Grafik noch verbesserungswürdig, was für uns jedoch keine Überraschung ist. Zum Einen konnten wir manche Aspekte aus unserem Konzept nicht umsetzten. Ein Intro, was den Begriff „virtuelles Wasser“ erklärt, war aus zeitlichen Gründen bspw. nicht mehr machbar. Zum Anderen haben wir unterschätzt, dass Interkationsmöglichkeiten wie z.B. Drag n’ Drop zum Vergleichen der Produkte von den Nutzern nicht verstanden werden.
Es wäre jetzt unsere Aufgabe, die Erkenntnisse zu verarbeiten. Da die Infografik allerdings nirgends „richtig“ verwendet wird und eine Verbesserung mit viel Arbeit verbunden ist, wird es leider keine neue Infografik geben.
Die Kurzfassung des Usability-Tests als PDF kann einfach heruntergeladen werden.
Nähere Informationen zum AttrakDiff-Fragebogen gibt es unter: www.attrakdiff.de.
Am Ende dieses Artikels ein großes Dankeschön an Katja Krüger, Paul Müller, Katrin Schlierkamp, Thomas Soyter und Claudia Steinau, die den Test durchgeführt haben. Wir wissen aus eigener Erfahrung, dass sehr viel Arbeit dahinter steckt!