Das Wichtigste in Kürze
Veröffentlicht in Allgemein, Gestaltung, Konzept, Programmierung, Umsetzung am 21. Juli 2010 von Andrea – Schreibe den ersten KommentarPhysik und Multitouch
Die Multitouch-Technologie erlaubt neue und intuitive Formen der Interaktion mit Computern. Dabei werden Eingaben nicht über Maus und Tastatur getätigt, sondern direkt mit dem Finger. Neben vielen anderen Anwendungsgebieten, kann die Multitouch-Technik auch für multimediales Lernen eingesetzt werden. Besonders für exploratives und selbstgesteuertes Lernen macht dies Sinn.
TouchPhysics ist eine gesten-basierte Multitouch-Anwendung, die auf diesem Prinzip aufbaut. Dabei werden physikalische Verhaltensweisen von Objekten und ihre Auswirkungen auf andere Objekte veranschaulicht, die in der echten Welt nicht zu sehen sind. So werden zum Beispiel die verschiedenen Kräfte simuliert, die auf einen Körper einwirken.
Didaktik
Konkret geht es bei TouchPhysics um das Beispiel der Schiefen Ebene. Die Anwendung enthält, unter anderem, verschiedene Lernkarteikarten. Diese enthalten Erklärungen zum Themengebiet Schiefe Ebene, sowie alle nötigen physikalischen Formeln und Definitionen. Ausgehend von den Eigenschaften der ausgewählten Objekte, werden dann die verschiedenen Kräfte dynamisch berechnet. Der Nutzer kann so beobachten, welche Parameter sich wo in den Berechnungen niederschlagen, und wie deren Auswirkung auf den gezeichneten Körper ist. Ziel von TouchPhysics ist es, das ganzheitliche Verständnis für das Thema zu fördern und interaktiv, spielerisch Wissen zu vermitteln. Es ist denkbar, dass das Physik-Lernprogramm im Unterricht verwendet wird. Ein Lehrer könnte so z.B. physikalische Berechnungen veranschaulichen. Außerdem könnte TouchPhysics als Ergänzung zum Unterricht dienen, bei dem Schüler selbstgesteuert ausprobieren und spielerisch ihr Wissen vertiefen.
Interaktion
Der Nutzer kann ganz einfach eine Kugel und eine Schiefe Ebene auf den Touchscreen zeichnen und diese mit dem Finger umher schieben. Die Elemente bekommen physikalische Eigenschaften und verhalten sich dabei ähnlich wie in der richtigen Welt. Diese Eigenschaften lassen sich direkt am Objekt ändern. So kann z.B. das Gewicht einer Kugel verstellt werden, indem der Nutzer den Pfeil der Gewichtskraft verlängert oder verkürzt. Diese Veränderung wirkt sich dabei unmittelbar auf die Interaktion aus. So wirkt eine schwere Kugel beim Bewegen träger als Leichtere. Größe und Winkel der Schiefen Ebene lassen sich ebenfalls bequem per Schieberegler verstellen.
Gestaltung
Besonderen Wert wurde bei TouchPhysics auf eine intuitive Bedienung und positive Nutzer-Erfahrung gelegt. Die Gestaltung basiert auf der Metapher eines Schreibtisches bzw. eines College-Blocks. Dadurch kann der Nutzer seine Vorerfahrungen aus der echten Welt auf das System übertragen. So verbirgt sich z.B. die Löschen-Funktion der Anwendung hinter dem Radierer, der ganz einfach auf der Zeichenfläche umher gezogen werden kann. Das Interface beinhaltet außerdem nur eine einzige Schaltfläche und lässt sich ansonsten komplett mit Bewegungen und Gesten steuern.
Umsetzung
Die konkrete Realisierung des Prototyps erfolgte auf dem ONE Multitouch-Tisch der Firma Evoluce. Die Anwendung selber wurde in ActionScript3 programmiert, wobei verschiedene ergänzende Programmierbausteine verwendet wurden. Zum einen liefert das Multitouch-Framework GestureWorks der Firma Ideum die nötigen Funktionen für die gestenbasierte Interaktion. Zum anderen ermöglicht die Physik-Engine Box2D, dass die gezeichneten Körper physikalische Eigenschaften erhalten. Zudem wurden weitere AS3-Ergänzungen verwendet, um z.B. die Objekt-Erkennung und die Funktionen von verschiedenen Interaktionselementen zu realisieren.
Allerdings konnte aufgrund von technischen Problemen und großer Komplexität nur ein Teil des ursprünglichen Konzepts umgesetzt werden. Trotzdem ist der Prototyp gut geeignet um die Grundidee der Anwendung zu erfahren und sein Physikwissen wieder etwas aufzufrischen.






