• Arbeitsmodelle Teil 1

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    Arbeitsmodelle

    Nach der Nutzungskontextanalyse ist es nötig die Ergebnisse aufzuarbeiten und zu dokumentieren. Zum Beispiel können hierfür Arbeitsmodelle verwendet werden. Ein Arbeitsmodell ist ein Diagramm, was die Struktur der Arbeiten und Aktivitäten eines Nutzers darstellt. Solche Modelle helfen, die Beobachtungen aus dem Contextual Inquiry festzuhalten und zu kommunizieren: „By providing a choherent, synthetic view of work practice, work models give design teams effective ways to handle qualitative data.“ (Beyer & Holtzblatt, S. 85, 1998).

    Modelle haben, im Vergleich zu Text, den Vorteil, dass sie große Mengen an Information übersichtlich darstellen können (Holtzblatt et al., S. 123-124, 2005). Beyer und Holtzblatt schlagen fünf verschiede Modelle vor, die jeweils einen anderen Aspekt von Arbeit hervorheben. Jedes Arbeitsmodell muss dabei in Bezug zum späteren interaktiven System gesehen werden. Daher ist es wichtig, nur die Aspekte in einem Arbeitsmodell festzuhalten, die für das spätere System relevant sind.

    Im Folgenden werden zunächst 3 Arbeitsmodelle erläutert, die wir im Zuge der Nutzungskontextanalyse erstellt haben:

    Flow Model (Kommunikationsfluss-Modell)

    Das Flow Model zeigt die Aufteilung der Arbeit und den Koordinations- und Kommunikationsfluss zwischen den beteiligten Personen. Dargestellt werden die Rollen der Mitarbeiter, sowie ihre Aufgaben und Verantwortlichkeiten. Außerdem zeigt das Modell, wer mit wem, wodurch kommuniziert und macht so die Kommunikationsstruktur und die verwendeten Kommunikationskanäle sichtbar.

    Flow-Model im Forschungsbereich Biochemie

    Flow-Model im Forschungsbereich Biochemie

    Die obige Abbildung zeigt das Flow Model in einem Biochemischen Labor. Der Forscher kommuniziert mit seinem Vorgesetzten, den Mitgliedern seiner Arbeitsgruppe, Helfern wie z.B. Praktikanten und externen Partnern wie z.B. Analyselaboren. Strichstärke und Sättigung der Pfeile visualisieren Häufigkeit und Intensität der Kommunikation. Das Modell zeigt beispielsweiße, dass zwischen dem einzelnen Forscher und der Arbeitsgruppe sehr viel Kommunikation stattfindet. Dies ist ein wichtiger Aspekt der Arbeit in einem Labor und der Austausch findet oft im informellen und persönlichen Gespräch statt. In den meisten Laboren stellt das wöchentliche Teammeeting eine ergänzende, formellere Plattform für diesen Austausch dar. Die Beschriftung der Pfeile liefert genauere Auskunft darüber, was kommuniziert wird. Auf der horizontalen Achse Vorgesetzter-Forscher-Helfer sind dies zum Beispiel häufig Arbeitsaufgaben und Ergebnisse. Diese werden zwar ebenfalls oft in einem persönlichen Gespräch kommuniziert, Arbeitsanweisungen an Helfer finden sich aber auch Haftnotizen oder Ausdrucken. Auf diesen kann dann direkt das Ergebnis der Arbeit notiert werden, wenn es sich beispielsweiße um eine Zellzahlenbestimmung oder Ähnliches handelt. Neben direkten Gesprächen sind Telefon und E-Mail ebenfalls beliebte Kommunikationskanäle. Der Austausch per Telefon beschränkt sich dabei aber meist auf die Büros, da die Umgebung in Laboren laut sein kann. E-Mail wird ebenfalls gerne genutzt, weil es die Möglichkeit zum verschicken von Dateien bietet. Analyseergebnisse von externen Laboren oder wissenschaftliche Papers werden deshalb per E-Mail verschickt.

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  • Arbeitsmethodik

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    Ziel unserer Recherchebemühungen ist das “Kennenlernen” des Nutzers mit seinen Aufgaben und Zielen. Daraus sollen Anforderungen und Ideen für das zu konzipierende System generiert werden. Im Zuge des Contextual Design Prozesses folgt auf die Sammlung von Daten aus dem Nutzungskontext, der “Data Consolidation“-Schritt in dem die gesammelten Daten aufbereitet und aggregiert werden. Das Anfertigen eines “Affinity Diagrams” (nach Beyer+Holtzblatt) half uns die vorliegenden Informationen in drei Schritten zu verdichten.

    1. Nach jedem “Contextual Inquiry” folgte eine Interpretationssitzung, in der die wichtigsten Aspekte aus dem Interview schriftlich festgehalten wurden. Für das Affinity Diagram haben wir diese Äußerungen dann gedruckt und auseinandergeschnitten. Anschließend haben wir die Aussagen gruppiert und Überbegriffe definiert. Dabei ist der Überbegriff aus der Perspektive des Nutzers formuliert, z.B.: “Ich organisiere meine Arbeit um Zeit und Ressourcen effektiv zu nutzen“.
    2. Die Überbegriffe wurden im nächsten Schritt ein weiteres mal verdichtet und zu einem übergeordneten Themengebiet zusammengefasst. Zum Beispiel ist die Aussage aus der ersten Runde, gemeinsam mit Anderen,  nun Teil des Themengebiets: “Ich plane und organisiere meine Arbeit”.
    3. Im dritten Schritt wurden die Gruppierungen der zweiten Runde ein letztes mal verdichtet. Aus diesem Schritt resultieren sehr abstrakte Begriffe, wie z.B. Individualität oder Effizienz.

    Um ein klareres Bild von der Arbeitsweise des Nutzers und der ihn umgebenden Faktoren zu bekommen beschäftigten wir uns außerdem eingängiger mit den Artefakten, die wir während der Kontextinterviews gesammelt haben. Daraus resultierten Arbeitsmodelle, wie das “Cultural model” oder das “Work model”.

    Alle diese Arbeitsdokumente dienen dazu, im nächsten Schritt eine ganzheitliche Vision des neuen Systems zu entwickeln. Dafür haben wir das Affinity Diagram, die Modelle und die Artefakte an einer großen Wand angebracht. Dies stellte eine enorme Bereicherung für das Brainstorming dar und förderte die Diskussion im Team.

  • Contextual Design und Scenario Based Development

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    Bei unserer Arbeit durchlaufen wir den Nutzerzentrierten Gestaltungsprozess (User Centred Design Process) und lehnen uns an die beiden Praktiken “Contextual Design” und “Scenario Based Development” an. Hier eine kurze Zusammenfassung dieser beiden “Versionen” des UCD-Prozesses:

    Contextual Design

    Obwohl die ISO 9241-210 einen konkreten Ablauf für den Nutzerzentrierten Gestaltungsprozess beschreibt, spezifiziert sie keine Methoden für die jeweiligen Schritte. Es gibt aber für jede der vier Phasen etablierte Methoden, die je nach Situation ausgewählt und angewandt werden können. Im Laufe der Zeit haben sich bewährte Praktiken entwickelt, wie der Prozess von Anfang bis Ende durchgeführt werden kann. Hugh Beyer und Karen Holtzblatt schlagen zum Beispiel das sogenannte „Contextual Design“ vor. In ihrem Buch beschreiben die beiden Autoren ihre Version des Nutzerzentierten Gestaltungsprozesses so: „Contextual Design is a customer-centred process [...]. It supports finding out how people work, so the optimal redesign of work practice can be discovered.“ (Beyer & Holtzblatt, S.21, 1998).

    Für jeden Schritt im Contextual Design Prozess beschreiben Beyer und Holtzblatt konkrete Methoden für Durchführung und Dokumentation. Der Prozess ist dabei optimiert für die Zusammenarbeit im Team und mit dem Kunden. Durch Arbeitsmodelle und Szenarien werden beim Contextual Design implizite Schritte in der Gestaltung explizit und können so besser kommuniziert und diskutiert werden.

    Der Prozess besteht dabei aus sechs Schritten. Das “Contextual Inquiry” ist eine Form des Interviews und hilft bei der Nutzungskontextanalyse. Beim “Work Modeling” werden die gewonnenen Erkenntnisse aus jedem Interview in Schaubildern dargestellt, welche im “Data Consolidation-Schritt” zusamengefasst werden. Darauf folgt das “Work Redesign“, bei dem eine Vision der Arbeit mit dem neu zu gestaltenden System entsteht. Diese Vision wird im “User Environment Design” konkret und kann dann im letzten Schritt, “Prototyping“, evaluiert werden (Beyer & Holtzblatt, S.21-25, 1998).

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  • User Experience

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    “What we are creating is less a product than a context for experience”, schreibt Bill Buxton über die Entwicklung von interaktiven Produkten. Auch das MLJ stellt einen solchen Kontext für Erfahrungen dar. Wie bereits erwähnt, liegt der Fokus bei der Entwicklung des künftigen Systems auf einer nutzerzentrierten und ganzheitlichen Herangehensweise. Die Definition der Anforderungen an das System folgt deshalb einer nutzerzentrierten Sicht und basiert auf der Annahme, dass eine positive User Experience (dt. Nutzungserleben) den Rahmen für alle weiteren Anforderungen an das System bildet.

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  • Das Laborbuch

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    „Ein Laborjournal oder Laborbuch ist ein Notizbuch in dem die Planung, Durchführung und Auswertung von wissenschaftlichen Experimenten dokumentiert wird.“ (Wikipedia, 2009).

    Zweck

    Der Zweck eines Laborbuches ist, dass Experimente nachvollziehbar dokumentiert werden. Obwohl diese Arbeit sehr zweitaufwendig ist, sind Laborbücher aus dem Labor-Alltag nicht weg zu denken. Die Gründe dafür sind vielfältig und werden in der folgenden Aufzählung kurz erläutert:

    • Das Laborbuch ist die Grundlage für wissenschaftliche Publikationen. Ebel und Bliefert bezeichnen Laborbücher als die „Keimzelle der naturwissenschaftlichen Literatur“ (1998, S. 11). In der Regel werden die Daten aus einem Laborbuch ausgewertet und interpretiert. Falls dabei interessante Ergebnisse erzielt werden, können diese später in einem wissenschaftlichen Bericht veröffentlicht werden.
    • Ein Laborbuch hilft beim Arbeitsmanagement im Labor. Für viele Wissenschaftler dient es als Gedächtnisstütze und hilft beim Planen, Durchführen und Auswerten von Experimenten. In diesem Sinne ist das Laborbuch ein richtiges Arbeitsbuch und kann mit To-Do-Listen und Notizzetteln verglichen werden.
    • Des Weiteren hilft ein Laborbuch bei der Archivierung von Informationen. Falls zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal die Daten aus einer Reihe von Experimenten benötigt werden, kann auf das Laborbuch zurückgegriffen werden. Dies ist besonders wichtig, wenn z.B. ein Mitarbeiter die Forschungseinrichtung verlässt.
    • Ein Laborbuch stellt ein wichtiges Dokument dar, was rechtlich Relevant werden könnte. Bei Rechtsstreitigkeiten wie z.B. einer Patentrechtsverletzung, dient das Laborbuch als Nachweis, dass Versuche wie behauptet durchgeführt wurden.

    Form

    Grundsätzlich werden zwei Arten von Laborbüchern unterschieden: Das „manuelle“ und das elektronische Laborbuch.Dazwischen gibt es unzählige Mischformen, die aus handschriftlichen Aufzeichnungen bestehen, die später auf den Computer übertragen werden. In der Literatur finden sich aber fast ausnahmslos Hinweise zum manuellen Laborbuch, weil dieses authentischer ist als sein elektronisches Gegenstück. Falls es zu gerichtlichen Streitigkeiten kommt, haben elektronische Laborbücher nur schwer Bestand, da sie leichter gefälscht werden können. Daher wird in Laboren meist ein manuelles Laborbuch bevorzugt. Bliefert und Ebel (1998) weißen darauf hin, dass ein gebundenes Notizbuch verwendet werden soll, Achstetter und Klöck empfehlen eine„gebundene Kladde mit stabilem Umschlag“ (2009, S.90). Solche Notizbücher können in jedem gewöhnlichen Schreibwarenladen gekauft werden, wobei meistens auf das DIN-A4-Format zurückgegriffen wird (Michler & Fössel, 2010).  Im Fachhandel gibt es darüber hinaus auch spezielle Laborbücher mit nummerierten Seiten und Vordruck z.B. für Kontaktdaten. Lose Blätter, Ringbücher und Ähnliches sind nicht als Laborbuch zulässig. Mehr »

  • Nutzerzentrierter Gestaltungsprozess

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    Das Ziel unserer Bachelorarbeit ist die Konzeption und Gestaltung eines elektronischen Laborbuchs, als multitouch-fähige Softwareanwendung. Die Anwendung soll dabei einen deutlichen Mehrwert gegenüber dem herkömmlichen Laborbuch besitzen. Bei unserer Arbeiten wollen wir deshalb besonderes Augenmerk auf die Gebrauchstauglichkeit (Usability) und eine positive Nutzungserfahrung (User Experience) legen.

    Der Nutzerzentrierte Gestaltungsprozess

    Eine Anwendung, die nützlich ist und  gleichzeitig Spaß macht, entsteht aber nicht durch Zufall. Im Gegenteil, hierfür wird ein fundierter und strukturierter Prozess benötigt. Genau zu diesem Zweck wurde der Nutzerzentrierte Gestaltungsprozess (User Centred Design Process -  UCD) entwickelt. Er gilt heute als Standard bei der Entwicklung von interaktiven Produkten und wird weltweit praktiziert. Nach Burmester (2007) herrscht über die Eckpunkte des Gestaltungsprozesses und dem methodischen Vorgehen in Forschung und Praxis weitgehend Einigkeit. Außerdem ist die Nutzerzentrierte Gestaltung in der DIN ISO 13407-Norm festgeschrieben worden.

    Der Nutzerzentrierte Gestaltungsprozess stellt, wie der Name schon sagt, den Nutzer in den Mittelpunkt. Dabei ist der Nutzer mit seinen Bedürfnissen, Interessen, Zielen, Aufgaben und seiner Umgebung, der Maßstab für die Entwicklung des Produktes.

    Nutzerzentrierter Gestaltungsprozess (Grafik: www.telono.com)

    Nutzerzentrierter Gestaltungsprozess (Grafik: www.telono.com)

    Der Prozess selbst besteht aus den vier aufeinanderfolgenden Phasen: Analyse, Gestaltung, Prototyping und Evaluation. Wichtig ist dabei, dass der Prozess iterativ abläuft, d.h. die einzelnen Phasen bei Bedarf wiederholt werden. Mit den Ergebnissen aus der Evaluation eines ersten Prototyps wird also ein neuer Durchgang gestartet und ein zweiter, besserer Prototyp entwickelt. So werden Gestaltungsideen immer wieder überprüft und es entsteht, in mehreren Durchläufen, ein nutzerfreundliches Produkt. Für jede der vier Phasen gibt es eine Fülle an fundierten Methoden. Mehr »

  • Das hybride Labor der Zukunft

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    Arbeiten im Labor

    In industriellen Hochdurchsatzlaboren werden viele Arbeitsprozesse häufig wiederholt. Ziel von solchen Laboren ist es, einen bestimmten Stoff möglichst günstig herzustellen. Die Arbeit wird dabei schon längst von Maschinen erledigt, die bestimmte Aufgaben schnell und zuverlässig erfüllen können. Forschungslabore dagegen dienen einem anderen Zweck. Sie zeichnen sich durch ihre hohe Flexibilität aus und sind auf manuelle Arbeit ausgelegt, was bei Forschungsarbeit wichtig ist. Gleichzeitig bedeutet dies aber auch Ineffizienz. Einen Großteil ihrer Arbeit verbringen Labormitarbeiter nicht mit dem eigentlichen Experiment, sondern mit anderen Tätigkeiten. Dazu gehören z.B. die Planung eines Experiments, das Bereitstellen von Geräten, das Holen und Bringen von Reagenzien, sowie die Dokumentation und Auswertung ihrer Arbeit. Deshalb ist ein intelligentes und flexibles System nötig, das dem Forscher lästige Arbeiten abnimmt, damit er sich besser auf seine eigentliche Arbeit konzentrieren kann.

    Das hybride Labor

    Lab4Lab Modell

    Lab4Lab Modell

    Der Roboter wird den Forscher nicht ersetzen können. Aber er kann ihm lästige Aufgaben abnehmen und die Forschungsarbeit angenehmer und effizienter machen. Seit mehreren Jahren arbeitet das Fraunhofer Insitut für Produktionstechnik und Automatisierung (Fraunhofer IPA) am Labor der Zukunft. Im Projekt “Lab4Lab” wurden dabei verschiedene Komponenten für das “hybride Labor” entwickelt, die miteinander vernetzt sind. Das Labor beinhaltet unter anderem ein automatisiertes Transport- und Lagerungssystem (“Tischlein deck dich”), ein vollautomatisiertes Modul (m:Pal) und einen hybriden Arbeitsplatz. Das m:Pal-System dient dazu, repetitive Aufgaben von einer Maschine ausführen zu lassen. Der hybride Arbeitsplatz ist ein manueller Arbeitsplatz, der durch halb- oder vollautomatisierte Systeme unterstützt wird. An diesem Arbeitsplatz befindet sich auch ein Touch-Screen, der die Schnittstelle (i:NLET) für das Laborinformations-Management-System (LIMS) darstellt. Mehr »

  • Interaktives Laborbuch BA

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    Hallo Welt!

    Willkommen auf unserem kleinen Weblog. In diesem Blog dokumentieren wir den Stand unserer Bachelorarbeit. Wir, das sind Vitali Fischbein und Jürgen Röhm – zwei Studenten der HdM Stuttgart. Thema unserer Arbeit ist es, ein multitouch-fähiges Laborbuch für biochemische Forschungslabore zu entwickeln. Wir wollen eine nutzerzentrierte, intuitive Anwendung konzipieren, welche die Forschungsarbeit ein Stück effizienter macht. Das Projekt entsteht in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer IPA und gehört zu unserem Informationsdesign-Studium an der Hochschule der Medien in Stuttgart.

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