• Gestaltung von Präsentations- und Arbeitsmodus

    Ein wichtiger Aspekt beim MLJ ist die Unterteilung in Arbeits- und Präsentationsmodus. Der Präsentationsmodus dient zum Planen und Organisieren der Arbeit, wohingegen im Arbeitsmodus Versuche durchgeführt und dokumentiert werden. Die Unterscheidung der beiden Modi sowie ihre Funktionen spiegeln sich auch im User Interface wider. Grundlage für die gesamte Gestaltung war  die Unterscheidung verschiedener Abstraktionsstufen. So spricht der Präsentationsmodus gestalterisch eine abstrakte Sprache, während der Arbeitsmodus eher gegenständlich dargestellt ist. Dazwischen gibt es jedoch auch Abstufungen. In den unteren beiden Abbildungen lassen sich die beiden Modi vergleichen. Die Aufteilung in „abstrakt“ und „gegenständlich“ hilft dem Nutzer, ein mentales Modell des Systems zu erstellen und die Interaktionsmöglichkeiten der jeweiligen Modi zu unterscheiden.

    Der Präsentationsmodus ist abstrakt gestaltet

    Der Präsentationsmodus ist abstrakt gestaltet

    Der Arbeitsmodus ist gegenständlich gestaltet

    Der Arbeitsmodus ist gegenständlich gestaltet

    Die Visualisierung der Versuche im Präsentationsmodus stellt ein real nicht existentes Prinzip der Organisation dar. Auch die Interaktion mit einer skalierbaren Benutzeroberfläche findet in der realen Welt keine Entsprechung. Deshalb folgt der Präsentationsmodus des MLJ einer abstrakten Darstellungsweise. Diese zeichnet sich dadurch aus, dass Elemente und Effekte, wie z.B. realistische Farbverläufe und Schatten, vermieden werden.

    In direktem Gegensatz dazu steht der Arbeitsbereich, der sich mit seiner Fächer-Metapher stark an die Realität anlehnt. Mehrere Blätter, die von einem Pin zusammengehalten werden, sind in ähnlicher Weise auch in der realen Welt zu finden. Um beim Nutzer eine natürliche Interaktionsweise mit dem vertrauten Objekt zu fördern, kommt eine sehr gegenständliche Gestaltungssprache zum Einsatz. Um den gegenständlichen Eindruck zu vermitteln, werden Licht und Schatten, sowie Farbverläufe und 3D-Elemente verwendet.

    Des Weiteren gibt es auch Systemkomponenten, die in beiden Modi sichtbar sind oder aufgerufen werden können. Dazu zählen z.B. die Bereichsebenen und die Statusleiste. Diese nehmen auch gestalterisch eine neutrale Position ein und verfügen sowohl über abstrakte Elemente, als auch über gegenständliche. So hat die Statusleiste zwar keine Entsprechung in der Realität, bekommt jedoch durch Kerben in der Oberfläche eine leicht plastische Wirkung. Diese wird verstärkt durch  Elemente wie die Liste anstehender Aufgaben, die  nach unten hin ausgeblendet wird und damit einen räumlichen Eindruck erzeugt.
    Obwohl das Werkzeugmenü nur im Arbeitsmodus anzutreffen ist, lehnt sich auch dieses an die beschriebene Gestaltung an, da es ebenfalls keine Entsprechung in der Realität hat.

    Die Trennung zwischen den beiden Gestaltungswelten wird vor allem durch den Wechsel des Hintergrundes deutlich. Während der abstrakte Präsentationsmodus über einen dunklen Hintergrund verfügt, ist der gegenständliche Arbeitsmodus hell gehalten. Der Hintergrund in Metalloptik ist eine Fortführung der Arbeitsoberfläche um den Bildschrim herum. Er kommuniziert, dass es sich beim MLJ um einen vollwertigen Arbeitsplatz handelt, auf dem der Nutzer auch Versuche durchführen kann. Somit fügt sich das System optisch nahtlos in seine Umgebung ein. Für Labore, die andere Arbeitsoberflächen haben, besteht die Möglichkeit, den Hintergrund anzupassen.

     

    Visualisierung der Versuche

    Die Visualisierung der Versuche ist eines der wichtigsten Elemente im abstrakten Präsentationsbereich und ist in eine der oberen Abbildungen zu sehen. Sie lehnt sich konzeptionell an eine Baumstruktur an, wobei kreisrunde Knoten die einzelnen Versuche repräsentieren. Die Form der Knoten und die Anmutung der Versuchsvisualisierung ist das Resultat eines  langen Entwurfsprozesses, im Zuge dessen sich gezeigt hat, dass eine kreisrunde Form der Knoten diverse Vorteile gegenüber anderen Formen aufweist. Sie entspricht der Berührfläche eines Fingers auf einer Multitouch-Oberfläche und lädt zum Interagieren ein. Des Weiteren lässt sich das Kreiselement in anderen Systemkomponenten als wiederkehrendes Motiv finden. Außerdem bietet sich die runde Form an, um Verbindungen herzustellen. Dies ist besonders wichtig, wenn der Nutzer die Versuchsknoten verschiebt um sich seine eigene Struktur zu schaffen.

    Die Vererbungsbeziehnungen sind durch breite, gerade Linien repräsentiert, die sich organisch an die Versuchsknoten anlegen. Die semantischen Verbindungen sind geschwungen, gepunktet und kodieren mit Dicke und Helligkeit, wie stark die Ähnlichkeit der verbundenen Versuche ist. Beide Gestaltungsarten der Linien schaffen einen dynamischen und organischen Eindruck, der gut in den Kontext von biochemischer Forschung passt. Darüber hinaus entsteht durch die Kombination der verwendeten Farben und Formen ein harmonisches Gesamtbild, das auch ansprechend aussieht.

     

    Dokumentenfächer

    Versuchsdokument im Präsentationsmodus

    Versuchsdokument im Präsentationsmodus

    Dokumentenfächer im Arbeitsmodus

    Dokumentenfächer im Arbeitsmodus

    Anders als die Visualisierung entspringt der Dokumentenfächer im Arbeitsmodus der gegenständlichen Welt und soll auch so aufgefasst werden. Dadurch kann der Nutzer Annahmen über die Interaktion mit dem Objekt aufstellen. Die Erkennung des Fächers als Gegenstand aus der realen Welt wird durch diverse Effekte erzeugt, die dem Dokument eine realisitische Anmutung verleihen. So sind die einzelnen Blätter und Abschnittsmarkierungen beispielsweise mit einem leichten Farbverlauf sowie einem Schlagschatten versehen. Dadurch wird das Zusammenspiel aus Licht und Schatten in der echten Welt simuliert. Ein Knick in der Markierung verstärkt diesen Eindruck. Weiterhin erweckt die rechte untere Ecke des obersten Fächerblatts den Eindruck, dass sie leicht nach oben steht. Dies soll den Nutzer darauf hinweisen, dass diese Seite geblättert werden kann. Insgesamt liegen drei Blätter übereinander um einen mehrseitiges Dokument anzudeuten.  Die Blätteranzahl bleibt auch bei wachsendem Inhalt bestehen, um keine Unruhe durch die leichte Drehung der unteren Blätter herbeizuführen. Auch der Pin reiht sich gestalterisch ein. Durch seine Zweiteilung in einen äußeren Ring und einen Innenteil  wird der Eindruck vermittelt, die Blätter würden dazwischen klemmen. Erhebungen auf dem Pin und Kerben in der unteren rechten Ecke des Blattes erzeugen einen haptischen Eindruck, der die Möglichkeit zur Interaktion andeutet.

    Der Fächer hat ein Gegenstück in der abstrakten Welt des Präsentationsmodus. Die gleiche Versuchsdokumentation hat hier nur eine Seite, die ähnlich einer Webseite unendlich nach unten gescrollt werden kann und nicht mehr geblättert wird. Auf alle Realismus erzeugenden Effekte wurde verzichtet.
    Auch die Gestaltung des Inhalts unterscheidet sich in beiden Modi des Dokuments. Der Arbeitsmodus ist geprägt durch Handschrift, hastige Notizen, durchgestrichene und korrigierte Passagen. Er erweckt dadurch den Eindruck eines Entstehungsprozess und hilft dem Nutzer, sich, ähnlich wie beim manuellen Laborbuch, mit seiner Arbeit zu identifizieren. Im Präsentationsmodus zeigt sich das Dokument dagegen eher neutral und nüchtern. Persönliche Komponenten treten in den Hintergrund. Zur besseren Lesbarkeit wandelt sich die Computer-Handschrift in eine normale Systemschrift um. Korrekturen werden bereinigt und gezeigt nur die endgültige Version der Dokumentation.

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  1. Gestaltung der Menüs im MLJ | Multitouch Lab Journal

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