• Interface- und Interaktionskonzept: Dokumentation

    Im vorherigen Artikel zum Bereich “Versuche” wurde beschrieben, wie Versuche im MLJ visualisiert und verwaltet werden. In diesem Artikel wird nun beschrieben, wie die Dokumentation der einzelnen Versuche aussieht bzw. funktioniert.

    Versuchsdokument

    Versuchsdokument im Präsentationsmodus

    Versuchsdokument im Präsentationsmodus

    Das Versuchsdokument ist mit einem Ausschnitt aus einem Laborbuch vergleichbar. Es enthält Alles, was zu einem Versuch dokumentiert wurde. In der realen Welt entspricht dies meist 2-4 Seiten in einem Laborbuch. Das Versuchsdokument im MLJ ähnelt einem Blog, bei dem die Informationen auf einer einzigen langen Seite untereinander angeordent sind. Das Dokument ist beliebig verlängerbar und lässt sich mit zwei Fingern scrollen (vgl. Abbildung oben). Wichtig beim Versuchsdokument ist, dass es alle Inhalte geordnet und in Computerschrift darstellt. Im Präsentationsmodus kann es nicht editiert werden. Dazu ist der Wechsel in den Arbeitsmodus nötig.

    Präsentations- und Arbeitsmodus

    Wechsel vom Präsentations- in den Arbeitsmodus

    Wechsel vom Präsentations- in den Arbeitsmodus

    In der Nutzungskontextanalyse hat sich gezeigt, dass viele Wissenschaflter zwei Laborbücher führen: ein handschriftliches und ein digitales (vgl. Artifact Model). Neben der einfachen Handhabung von digitalen Daten hat dies einen weiteren Grund. Ein digitales Laborbuch bietet die Möglichkeit, die Inhalte sauber anzuordnen, optisch ansprechende Seiten zu gestalten, Texte auszuformulieren und Computerschrift zu verwenden. Alle diese Aspekte sind dann besonders wichtig, wenn das Laborbuch anderen Personen gezeigt wird. Aber auch für die eigene Nachvollziehbarkeit ist ein sauber geschriebener Fließtext gut. Diese Form der Dokumentation kostet allerdings sehr viel Zeit und findet erst nach dem Versuch statt. Ein handschriftliches Laborbuch enthält dagegen die eventuell unleserliche Handschrift des Schreibers sowie Fehler, Durchstreichungen und Ähnliches. Außerdem werden hier häufig Stichwörter, Abkürzungen und Symbole verwendet. Diese Form der Dokumentation spart zwar Zeit, ist aber schlechter nachvollziehbar und wird von einigen Wissenschaftlern als nicht vorzeigbar empfunden. Um dem beschriebenen Spannungsfeld zwischen Schnelligkeit und Sauberkeit gerecht zu werden, gibt es im MLJ zwei verschiedene Modi für Präsentation und Arbeit.

    Bisher wurde lediglich der Präsentationsmodus beschrieben. Er dient in erster Linie dazu, einen Überblick über die eigene Arbeit zu erhalten und kann als eine Art Dokumentenmanagementsystem angesehen werden. Bei Teambesprechungen kann der Präsentationsmodus dazu verwendet werden, den Stand der eigenen Arbeit zu präsentieren.

    Im Arbeitsmodus lassen sich die Versuchsdokumente editieren. Die untere Abbildung zeigt ein Dokument im Arbeitsmodus. Der Modus kann mit einer Arbeitsplatte oder einem Schreibtisch verglichen werden. Der Wechsel zwischen den beiden Modi erfolgt durch das „Wegziehen einer Tischdecke“. Das heißt, der Nutzer legt beide Hände auf den Touchscreen und zieht diese, bei anhaltender Berührung, zu seinem Körper. Die Ansicht des Präsentationsmodus bewegt sich dabei synchron zur Bewegung der Hände und erschwindet im unteren Rand des Bildschirms. Gleichzeitig wird die Ansicht des Arbeitsmodus von oben herab gezogen, als würden beide Ansichten zu einer Tischplatte gehören von der immer nur ein Teil sichtbar ist (vgl. Abbildung oben).

    Dokumentenfächer

    Ein Dokumentenfächer im Arbeitsmodus

    Ein Dokumentenfächer im Arbeitsmodus

    Die Dokumentation eines Versuchs im klassischen Laborbuch nimmt meist nur einige wenige Seiten ein. Die Seiten gliedern sich in mehrere Abschnitte, wie z.B. Planung, Durchführung und Ergebnisse. Wird jeder Versuch als eine abgeschlossene Einheit betrachtet, die lediglich einige wenige Seiten umfasst, so macht es in der realen Welt wenig Sinn, dafür ein ganzes Buch anzulegen. Die einzelnen Seiten würden eher zusammen-geheftet und geordnet archiviert werden. Des Weiteren herrscht im Labor oft Platzmangel und ein aufgeschlagenes Buch auf der Arbeitsfläche ist daher unpraktisch. Viele Wissenschaftler bevorzugen deshalb einzelne Blätter. Beide genannten Aspekte spiegeln sich auch im MLJ wider.

    Blättern des Dokumentenfächers

    Blättern des Dokumentenfächers

    Im Arbeitsmodus verändert sich die Darstellung des zuvor beschriebenen Versuchsdokuments. Anstatt einer einzigen langen Seite wird das Dokument auf mehrere Seiten verteil (vgl. Abbildung oben). Die Gestaltung und Interaktion folgt einer erweiterten Fächer-Metapher. Dabei werden die einzelnen Blätter von einer Art kreisrundem Pin zusammengehalten. Durch eine wischenden Geste mit zwei Fingern kann der Nutzer durch den Fächer blättern (vgl.  Abbildung links). Dabei dreht sich das Blatt um die Pin-Achse und wird mit zunehmendem Drehwinkel immer transparenter. Ab einem Winkel von 30° verschwindet es komplett und lagert sich ganz unten im Blätterstapel wieder an. Für die Interaktion mit dem Dokumentenfächer gilt, dass einzelne Elemente, wie z.B. Bilder und Texte mit einem Finger aktiviert und manipuliert werden können. Der gesamte Fächer wird dagegen mit zwei Fingern bewegt, z.B. beim Blättern oder Verschieben.

    Pin

    Pin zum Schließen des Dokuments

    Pin zum Schließen des Dokuments

    Der Pin in der linken oberen Ecke dient generell als Referenzpunkt für die Interaktion mit dem Dokumentenfächer und hat mehrere Funktionen. Neben der erwähnten Drehachse dient er auch zum Skalieren des Dokuments. Dafür muss mit einem Finger der Pin gedrückt und gehalten werden. Mit einem anderen Finger kann dann an den Einkerbungen an der gegenüberliegende Seitenecke „gezogen“ werden. Der Dokumentenfächer ändert dabei, entsprechend der Geste, kontinuierlich seine Größe. Weiter können auch einzelne Seiten aus dem Dokumentenfächer herausgelöst werden. Dies ist wichtig, falls mehrere Seiten nebeneinander betrachtet und z.B. verglichen werden sollen. Um diese Aktion durchzuführen, muss der Pin mit einem Finger festgehalten werden. Mit zwei Fingern lässt sich dann das Blatt an einer beliebigen Stelle anfassen und mit einer ziehenden Geste vom Pin weg, heraus lösen. Ein doppelter Tip auf den Pin sammelt die losen Seiten wieder zusammen. Ein längerer Tip auf den Pin blendet eine Art Erweiterung des Pins ein. Sie enthält eine Schaltfläche zum Schließen des Dokuments.

    Dokumentenkopf

    Im Kopf des Dokumentenfächers befinden sich verschiedene Metadaten. Dazu gehören der Titel des Versuchs, die Identifikationsnummer, die dazugehörigen Schlagwörter und der Name des Wissenschaftlers. Die Identifikationsnummer wird vom System automatisch vergeben. Der Titel des Versuchs wird vom Nutzer selbst eingetragen oder orientiert sich am Vorgänger-Versuch, falls es sich um eine Kopie von diesem handelt. Gleiches gilt für die Schlagwörter. Falls nötig, kann der Nutzer aber auch selbst Schlagwörter hinzufügen, indem er auf die freie Linie schreibt und die Wörter mit Kommata trennt. Die Schlagwörter dienen sowohl zum Suchen im System als auch dem Erstellen der semantischen Verbindungen in der Visualisierung der Versuche.

    Verknüpfungen

    Die Marginalspalte bietet Platz für Verknüpfungssymbole. Diese Symbole repräsentieren eine Verknüpfung innerhalb des Systems. So kann z.B. ein bestimmter Arbeitsschritt mit einem Gerät oder einer Person verknüpft werden. Verknüpfungen lassen sich dadurch erstellen, dass die entsprechenden Verknüfpungselemente wie, z.B. ein Foto des Geräts, aus der jeweiligen Bereichsebene in den Dokumentenfächer gezogen werden (sog. Drag ‘n‘ Drop). Ein einfacher Tip auf ein Verknüpfungssymbol öffnet die entsprechende Bereichsebene und ermöglicht somit den schnellen Zugang, z.B. zu Daten oder Ergebnissen eines Gerätes. Zu einem späteren Zeitpunkt kann außerdem einfach nachvollzogen werden, mit welchem Gerät gearbeitet wurde. Dies erspart dem Wissenschaftler zusätzlichen Zeitaufwand, weil er Gerätespezifikationen wie Typbezeichnung, Hersteller etc. nicht extra dokumentieren muss.

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