• Stift- und Handbedienung von Multitouch-Systemen

    Hier ein weiterer Auszug aus unserer Bachelorarbeit, der sich mit Grundlagen zur Stift- und Handbedienung von Multitouch-Systemen beschäftigt.

    Bisher wurde Multitouch vor allem aus Sicht der Touch-Bedienung betrachtet. Hinckley, Yatani, Pahud, Coddington, Rodenhouse, Wilson, Benko und Buxton schreiben jedoch „[...] multi-touch is not the whole story. [...] The pen has a role to play as well“ (2010a, S. 537). Dabei gehen die Autoren nicht von einer reinen Stiftbedienung aus, sondern bevorzugen eine Kombination aus Hand- und Stiftbedienung. Sie argumentieren, dass Menschen in der Regel zwei Hände nutzen, um Aufgaben in der realen Welt auszuführen, und verweisen auf ein Experiment von Guiard (1987). Dieser demonstriert in einem Versuch, wie beim Schreiben unbewusst beide Hände verwendet werden. Während die bevorzugte Hand relativ zum Tisch nahezu immer an der gleichen Stelle schreibt, verschiebt die nicht-bevorzugte Hand kontinuierlich das Blatt. Der linke Teil der unteren Abbildung zeigt das beschriebene Blatt aus Guiards Experiment. Im rechten Teil ist der Druchdruck zu sehen, der mit Kohlepapier erzeugt wurde, was am Tisch fixiert war.

    Experiment von Guiard zur Arbeitsteilung zwischen Händen beim Schreiben

    Experiment von Guiard zur Arbeitsteilung zwischen Händen beim Schreiben

    Dieses Prinzip der Arbeitsteilung zwischen den Händen kann auch auf die Interaktion mit einem Multitouch-System übertragen werden, indem eine multimodale Eingabe mit Stift und Hand ermöglicht wird. Daraus ergibt sich allerdings das Problem, dass zwischen Befehlsmodus (command mode) und Schreibmodus (ink mode) unterschieden werden muss. Der Befehlsmodus dient zum Bedienen des Systems, d.h. zum Ausführen von Funktionen, während im Schreibmodus alle Eingaben als „Tinte“ (ink) erkannt werden. Hinckley et al. schlagen folgendes Prinzip vor: „the pen writes, and touch manipulates“ (2010a, S. 539). Die Umschaltung zwischen den beiden Modi geschieht implizit durch die Verwendung der Hand (Befehlsmodus) oder des Stiftes (Schreibmodus). Li, Hinckley, Guan und Landay vergleichen in ihrer Studie die Effizienz von verschiedenen Techniken für die Umschaltung zwischen diesen Modi (2005). Die Autoren kommen zum folgenden Schluss: „[...]pressing a button with the non-preferred hand offers the fastest performance [...]“ (Li et al., 2010, S. 1).

    Hinckley et al. gehen noch einen Schritt weiter und untersuchen, wie durch die Kombination aus Stift und Hand neue Werkzeuge geschaffen werden können. Die dadurch entstehende Interaktion demonstrieren sie eindrucksvoll in einem Video (siehe unten) und kommen zum Schluss: „the combination of pen+touch input yields new tools“ (2010a, S. 540). Dabei erwähnen die Autoren aber auch, dass es noch ungelöste Probleme gibt und weitere Untersuchungen zu diesem Thema nötig sind.

    Interessante Videos zum Thema

    Bill Buxton von Microsoft Research erkärt das Prinzip von Natural User Interfaces (NUIs) und das Experiment von Guiard:

    .

    Hinckley et al. von Microsoft Research erklären die simultane Eingabe durch Stift und Hand anhand eines prototypischen Systems:

    Quellen:

    • Hinckley, K., Yatani, K., Pahud, M., Coddington, N., Rodenhouse, J., Wilson, A., Benko, H. & Buxton, B. (2010b). Manual Deskterity: An Exploration of Simultaneous Pen + Touch Direct Input. In: Society for Information Display (SID) Symposium Digest of Technical Papers, Volume 41(1), Session 38, S. 537-540.  Zugriff am 08.01.2011 unter http://www.billbuxton.com/SID10 38-2.pdf
    • Guiard, Y. (1987).  Asymmetric Division of Labor in Human Skilled Bimanual Action: The Kinematic Chain as a Model. Journal of Motor Behavior, 1987, 19, 486-5. Zugriff am 03.01.2011 unter http://cogprints.org/625/1/jmb_87.html
    • Li, Y., Hinckley, K., Guan, Z., Landay, J. A. (2005). Experimental Analysis of Mode Switching Techniques in Pen-based User Interfaces. CHI 2005, 461-470. Zugriff am 03.01.2011 unter http://research.microsoft.com/users/kenh/papers/p226-li.pdf

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