• Vergleich elektronischer Laborbuchsysteme

    ELN Benchmark

    ELN Benchmark

    Im Rahmen der Recherche zum MLJ wurde auch ein Vergleich von mehreren Elektronischen Laborbüchern durchgeführt. Dabei wurden drei Softwarelösungen genauer betrachtet. Die obige Grafik spiegelt unsere (subjektive) Einschätzung der untersuchten Systeme wieder.

    Die Idee, ein Laborbuch elektronisch zu verwalten, ist nicht neu. Etliche Hersteller haben sich auf derartige Software spezialisiert. Die Systeme ähneln sich in vielfacher Hinsicht, weisen aber auch Unterschiede auf. Einige sind auf eine bestimmte Funktionalität spezialisiert und differenzieren sich dadurch von der Konkurrenz. Wo die Vor- und Nachteile der jeweiligen Systeme liegen wird in diesem Blog-Artikel geklärt.Als Erstes ist anzumerken, dass die wenigsten dieser Angebote reine elektronische Laborbücher (ELN) sind. Meistens ist das Laborbuch Bestandteil eines größeren Systems (z.B. eines Labor-Informations-Management-Systems). Dies zeigt, dass es wenig Sinn macht, einfach „nur“ das analoge Laborbuch digital umzusetzen. Durch die Nutzung eines ganzheitlichen Softwaresystems ergeben sich viele neue Möglichkeiten die Forschungsarbeit effizienter zu gestalten. Wissenschaftler nutzen, neben dem Laborbuch, zahlreiche Werkzeuge und Hilfsmittel bei der Durchführung und Dokumentation ihrer Arbeit. Ein ELN bietet die Möglichkeit diese Hilfsmittel zu bündeln und sogar durch Neue zu ergänzen. Die meisten der verglichenen Systeme verfügen über Vorlagen um wiederkehrende Arbeit zu reduzieren (z.B. Methodenbibliothek). Es ist möglich Dokumente, Bilder und Messergebnisse in das ELN zu importieren. Gültigkeitsprüfungenvermeiden fehlerhafte Eingaben. Eines der größten Vorteile eines ELN sind auch die zahlreichen Suchmöglichkeiten (z.B. nach ID, Zeitraum,  usw). Ein Großteil der Systeme unterstützt zumindest ein rudimentäres Projekt- und Ressourcenmanagement. Einige Systeme sind browserbasiert und erlauben den Zugriff auch außerhalb des Labors. Dank Nutzer- und Rechtemanagement unterstützen elektronische Laborbücher auch die Zusammenarbeit im Labor ohne dass der Datenschutz zu kurz kommt. Einige Systeme sind für bestimmte Funktionalitäten optimiert oder legen viel

    Wert auf diese Bereiche. So beispielsweise das mblBook, das mit Revisionssicherheit wirbt, der Möglichkeit eines Remotezugriffs und einer Volltextsuche. Zudem lässt sich das System auf einem mobilen Gerät einsetzen. Das BeLab der Universität Kassel garantiert Beweissicherheit. Open Enventory stellt ein Inventarsystem zur Verfügung, welches durch gemeinsame Ressourcennutzung und Förderung der Kooperation innerhalb und zwischen den Arbeitsgruppen zu mehr Effizienz und Wirtschaftlichkeit führen soll. LABWARE steht für Kommunikation zwischen den Geräten und Probenmanagement samt Lagersystem über Barcode.

    ELAB – Helmholtz Zentrum Berlin

    (https://www.helmholtz-berlin.de/angebote/it/web/apps/elab/)

    ELAB Oberfläche

    ELAB Oberfläche

    Wichtigstes Ziel bei diesem ELN war laut der Internetseite „[…]die einfache Verwaltung und gezielte Auswertung der Daten, der universelle und leicht verständliche Zugriff per Web-Browser; damit auch die Unabhängigkeit von Betriebssystem und Rechnerhardware sowie der Schutz der Daten vor unberechtigten Zugriffen. Die Definition von Objekttypen und Prozessen ist durch die Administratoren der Laborbücher  jederzeit möglich und flexibel gestaltet.“ Das ELAB gliedert sich in drei Bereiche:

    Eingabe: Die Dokumentation in ELAB gliedert sich in Objekte und Prozesse.
    Objekt
    : Ein Objekt ist eine Art Container und kann mehrere Prozesse beinhalten. Man hat die Möglichkeit ein bereits angelegtes Objekt zu laden und zu editieren oder ein Neues anzulegen. Bei der Erstellung des Objekts lassen sich Dateien hochladen, Zugriffsrechte festlegen und Vererbungsbeziehungen definieren (entstanden, zerteilt, umgewandelt aus).
    Prozess: Prozesse sind Teile von Objekten und enthalten Angaben zu einem Versuch. Hier können Parameter von Hand eingetragen, Vorlagen genutzt oder Dateien hochgeladen werden. Auch Aussagen über den Prozessverlauf werden getroffen.

    Suche: Es ist möglich entweder nach einem Objekt oder einem Prozess zu suchen. Bei der Komplexsuche lässt sich anhand eines Kalenders auch einen Zeitrahmen für die Suche bestimmen oder nach Anhängen suchen. Die Suchergebnisse werden entweder im Browser ausgegeben oder können als Excel-Datei heruntergeladen werden.

    Planung:
    Versuchspläne: Versuche werden im Voraus geplant. Auch fremde Pläne können eingesehen werden.
    Terminplanung: Bereits angelegte Prozesse können in einem Kalender zeitlich verortet werden.

    Admin-Bereich: Der Admin-Bereich dient dazu, Nutzerrechte zu bestimmen, Bibliotheken für Prozesse anzulegen oder Parameter und Datentypen zu bestimmen.

    LABcollector – AgileBio

    http://www.labcollector.com/demo/

    LabCollector Dashboard

    LabCollector Dashboard

    LABcollector der Firma AgileBio gehört eher zu den Labor-Informationsmanagement-Systemen (LIMS). Das Interface wirkt sehr einladend und freundlich, nicht zuletzt durch das App-Prinzip, welches heute auf diversen mobilen Medien zum Einsatz kommt. Die Oberfläche ist sehr visuell orientiert. Es werden Icons und Farbcodierung eingesetzt um ein schnelles Auffinden von Funktionen zu erleichtern. Das System ist Browserbasiert und kann sowohl über das Internet, als auch als Standalone-Software genutzt werden.Startbildschirm von LABcollector ist das „Dashboard“. Diese Ansicht zeigt auf einen Blick alle Anwendungen, die neuesten Beiträge der Arbeitsgruppe und einige Statusmeldungen. Das Laborbuch macht nur einen kleinen Teilaspekt des Systems aus und gehört zum ELN-Modul. Optisch lehnt sich dieses an das analoge Laborbuch an (Ringbindung an der Seite, Anlegen Seite für Seite). Der Funktionsumfang ist sehr überschaubar gehalten und orientiert sich an den Möglichkeiten in einem rudimentären Textverarbeitungsprogramm.
    Für die Projektplanung steht ein sehr übersichtlicher Kalender zu Verfügung, der mit Kollegen in der Arbeitsgruppe geteilt werden kann. In diesem Zusammenhang steht auch der „Scheduler“, über den Geräte reserviert werden können. Hinsichtlich der Ressourcenteilung ist auch die Funktion zum Bestellen von Materialien zu nennen. LABcollector erlaubt das einfache Bestellen von Stoffen und Chemikalien, wobei auch die Bestellungen anderer eingesehen werden können.Es gibt eine potente Suchfunktion, mit deren Hilfe sich nach Bearbeiter, Zeitraum, Ähnlichkeit, ID und Aufbewahrungsort suchen lässt. Allerdings ist die Suchfunktion unübersichtlich und schlecht zu bedienen.Neben dem ELN-Modul gibt es noch weitere nützliche Module innerhalb von LABcollector. Zum Beispiel eine Anwendung für chemische Strukturen, Nutzerkontenmanagement, eine Online-Lesezeichensammlung, oder einen Barcode-Label-Drucker. Des Weiteren sind gewisse Aspekte eines sozialen Netzwerksvorhanden. Es lassen sich z.B. Nachrichten verschicken, Ergebnisse kommentieren oder Statusmeldungen schreiben. Der Stand und Fortschritt der Arbeit sind visuell in Schaubildern repräsentiert.

    BioKM – BioData

    https://fhglaboratories.biokmapp.com/login/welcome

    BioKM Dashboard

    BioKM Dashboard

    Das BioKM der Firma BioData besticht durch Struktur und Nutzerfreundlichkeit. Die Bereiche sind klar gegliedert und übersichtlich präsentiert. Farben werden sparsam und sinnvoll eingesetzt. Auch auf ein ästhetisches Erscheinungsbild wurde Wert gelegt. Startbildschirm ist das „Dashboard“, was die neuesten Team-Nachrichten, den Projektplan, die Aufgabenliste und Projekt-Veränderungen aufzeigt. Besonders gut gelöst sind die Funktionen für die Kollaboration mit Kollegen. Zum Beispiel gibt es eine „Knowledgebase“ – eine Wissens-Datenbank auf die jeder Zugriff hat. DesWeiteren lassen sich Nachrichten schreiben und Arbeitsbereiche teilen. Um Dritten die Nachvollziehbarkeit der eigenen Arbeit zu erleichtern wird der Forschungskontext miteinbezogen: der Nutzerkann Protokolle hochladen und die Arbeit der Kollegen kommentieren. Anhänge und Bilder können markiert und kommentiert werden. Zwischen den Versuchen besteht eine Hyperlinkstruktur. Auch das Ressourcenmanagement ist bei BioKM gut gelöst. Geräte können einfach reserviert werden, Material ist schnell bestellt. Allerdings können die Bestellungen anderer nicht eingesehen werden. Positiv hervorzuheben ist auch das Proben- und Lagermanagement, wo der Nutzer sogar den konkreten Lagerort bestimmen und Proben komfortabel verwalten kann. Bei der Dokumentation kann auf Vorlagen und Bibliotheken (Material und Inventar) zurückgegriffen werden. Das System ist Browserbasiert und funktioniert, laut Hersteller, auch auf dem iPad. Zusätzlich zur zu BioKM plant der Hersteller auch andere iPad-Applikationen für Biolabore zu veröffentlichen.

    Bei folgenden Systemen stand uns leider kein Demo-Zugang zur Verfügung. Informationsgrundlage ist hierbei die Hersteller-Beschreibung: mblBook,  LABWARE, BeLab und OpenEnventory.

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