• Nutzergruppen

    Für die Entwicklung eines digitalen Systems ist es nicht nur wichtig über die Arbeit der Nutzer bescheid zu wissen, sondern auch wer die zukünftigen Nutzer sind. Dies ist ein zentraler Aspekt im nutzerzentrierten Gestaltungsprozess. Im Rahmen der Nutzungskontextanalyse kamen zu diesem Zweck zwei Methoden zum Einsatz. Die bereits erwähnten Kontextinterviews, sowie eine Online-Umfrage. An dieser Umfrage nahmen insgesamt über 60 Personen von unterschiedlichen Institutionen im biochemischen Bereich teil. Mithilfe dieser beiden Methoden konnten viele Daten über die Nutzer gesammelt werden. Eine mögliche Vorgehensweise um diese Daten aufzubereiten, stellt die Persona-Methode dar, mit deren Hilfe ein „typischer“ Nutzer dargestellt wird. „Personas sind keine echten Menschen, sondern basieren auf Verhaltensweisen und Motiven echter Menschen, die wir beobachtet haben[…] Sie sind zusammengesetzte Archetypen […]“ (Alan Cooper, Robert Reinmann, David Cronin, S.99, 2010). Die Daten aus der Nutzungskontextanalyse und die entstandenen Modellen helfen eine solche Persona zu modellieren. Personas helfen Designern und Entwicklern eine bessere Vorstellung vom  Verhalten der Nutzer, deren Zielen und Motiven zu bekommen. Außerdem sind Personas „[…] ein wichtiges Tool, um unsere Designs durch unser User Research zu begründen und zu rechtfertigen.“ (Alan Cooper et al., 2010, S.99 ff).

    Da sich diese Arbeit am Contextual Design-Prozess orientiert, wurde bei der Modellierung der Persona verstärkter Fokus auf  die Ziele, Rollen und Aufgaben des Nutzers gelegt, wie es Holtzblatt et al. (2005, S.181-191) vorschlagen. Im Folgenden werden die wichtigsten Nutzergruppen kurz beschrieben und eine detaillierte Persona definiert.

    Wissenschaftliche Hilfskräfte und Praktikanten

    Eine Nutzergruppe sind wissenschaftliche Hilfskräfte (Hiwis) und Praktikanten. Sie sind zumeist Studenten aus verwandten Studiengebieten ohne Abschluss. Sie arbeiten im Labor um sich etwas dazuzuverdienen und Erfahrung zu sammeln. Hiwis und Praktikanten nehmen hierarchisch gesehen die niedrigste Position ein und arbeiten den anderen Labormitarbeitern zu. Sie erledigen kleinere und einfachere, aber zeitaufwändige Aufgaben. Meistens müssen Sie kein eigenes Laborbuch führen. Es kommt aber vor, dass sie die Ergebnisse ihrer Arbeit dem Aufgabensteller zukommen lassen. Hierfür werden oft Notizzettel als Informationsträger genutzt.

    Diplomanden

    Diplomanden stehen kurz vor Beendigung ihres Studiums und schreiben an ihrer Diplomarbeit. Dabei untersuchen sie meist eine bestimmte Forschungsfrage und haben ein eigenes kleines Projekt. Neben ihrer Abschlussarbeit, arbeiten Diplomanden im Institut mit und helfen Doktoranden oder Angestellten. Diplomanden haben etwa ein Jahr Erfahrung mit der Pflege eines Laborbuches.

    Doktoranden

    Doktoranden haben ihre Dissertation zum Ziel. Dabei verfolgen sie eigene Projekte, bearbeiten gleichzeitig aber auch Forschungsaufträge ihres Professors oder ihres Instituts. Sie nutzen das Labor am vielseitigsten und stellen die höhsten Anforderungen an ihre Arbeitsumgebung.  Aufgaben werden oft an Unterstellte, Partner oder externe Dienstleister weitergereicht. Doktoranden haben bereits viel Erfahrung mit der Pflege eines Laborbuchs und eigene Strategien für effiziente Dokumentation.

    Professoren und Vorgesetzte

    Professoren und Vorgesetzte führen zumeist keine aktive Forschungstätigkeit im Labor aus. Ihre Aufgabe ist überwiegend administrativer Natur. Sie kümmern sich um Projektplanung, haben die Arbeitsgruppen im Auge, verteilen Aufträge und überwachen das Ressourcenmanagement. Außerdem stehen sie in Kontakt mit Investoren und auswärtigen Partnern.

    Die Zielgruppe des Multitouch Lab Journals

    Bei den Kontextinterviews zeichneten sich zwei Nutzergruppen als Hauptnutzer des Laborbuchs ab: Diplomanden und Doktoranden. Diese Annahme wird von den Ergebnissen der Online-Umfrage unterstützt. Mit 37% ist die Gruppe der Diplomanden am stärksten vertreten, dicht gefolgt von den Doktoranden mit 24%. Letztere arbeiten im Schnitt mehr mit dem Laborbuch. Auf diese Zielgruppe richtet sich der Fokus bei der Konzeption des MLJ. Doktoranden haben die vielfältigsten Aufgaben im Labor und haben dadurch auch die höchsten Anforderungen an ein solches System. Werden ihre Bedürfnisse erfüllt, dann sind damit auch fast alle Anforderungen der anderen Nutzergruppen erfüllt.

    Anhand einer Persona wird die Nutzergruppe der Doktoranden näher erläutert.

    Quellen:

    Cooper, A., Reimann, R. & Cronin, D. (2010). About Face – Interface und Interaction Design. Heidelberg: Hüthig Jehle Rehm.

    Beyer, H. & Holtzblatt, K. (1998). Contextual Design – Defining Customer-Centred Systems. San Francisco: Morgan Kaufmann Publishers.

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